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  • AutorenbildSilvia Josten

10 Mythen der e-Mobilität

Aktualisiert: 22. März


rostiges Warnschild Hochspannung

Heute sind noch zahlreiche Mythen der e-Mobilität weit verbreitet. Dabei sind die Argumente oft veraltet. Verfechter der bewährten und wirtschaftlich erfolgreichen Verbrenntechnologie liefern sich hitzige Diskussionen mit den Lobbyisten der e-Mobilität. Wir gehen der Sache auf den Grund. Was stimmt und was nicht?


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Folgende Mythen der e-Mobilität halten sich immer noch hartnäckig:


1. e-Fahrzeuge sind zu teuer.

Eines der aktuell oft zitierten Mythen der e-Mobilität: kaum einer kann sich teure e-Fahrzeuge leisten. Ja, Stand heute sind e-Fahrzeuge auf den ersten Blick teurer in der Anschaffung. Doch rechnet man die staatlichen Förderungen mit ein, vergünstigt sich der Endpreis schnell. e-Neuwagen werden bis zu 9.000 € (bis 2025) gefördert. Zahlreiche Bundesländer und Kommunen unterstützen die Anschaffung von zweirädrigen e-Fahrzeugen. Baden-Württemberg zahlt eine „Abwrackprämie“ für alte Fahrzeuge der Klasse L1e und L3e, die durch ein neues Elektrozweirad (z.B. e-Roller, S-Pedelec oder e-Motorrad) ersetzt werden. Marburg fördert den Erwerb eines E-Bikes mit 100,00 €. Regensburg gibt einen Zuschuss zum Erwerb eines zweirädrigen Neufahrzeugs (Fahrzeugklasse L1e bis L4e) von 25 % des Netto-Kaufpreises bis zu 1.000,00 €, Pedelecs bis zu 600,00 €. Dazu kommen wesentlich günstigere Unterhaltskosten: Wegfall oder Vergünstigung der Kfz-Steuer, geringere Service- und Verbrauchskosten. Je länger man also ein e-Fahrzeug fährt, desto mehr lohnt es sich.


2. Es gibt kaum Lademöglichkeiten und Laden dauert eh viel zu lang.

Zu den weit gestreuten Mythen der e-Mobilität gehört die angeblich fehlende Ladeinfrastruktur. Ja, die Zulassungszahlen der Neuzulassungen von e-Fahrzeugen sind aktuelle höher als die Neuinstallationen von Ladesäulen. Aber auch die werden immer gerade immer zahlreicher. Ich höre immer mehr Beschwerden über die Wegnahme öffentlichen Parkraum, weil Parkplätze an Ladesäulen für e-Autos reserviert sind. Stand 1. Juli 2023 gibt es in Deutschland in im 78.918 Normalladepunkte (38.876 waren es im Jahr 2021) und 18.577 Schnellladepunkte (6.493 waren es im Jahr 2021) / Quelle: Bundesnetzagentur.

Eine aktuelle Übersicht aller e-Tankstellen findet man im Ladesäulenverzeichnis des BDEW. Aber auch zu Hause kann man bequem und kostengünstig laden. An der heimischen Wallbox kann mit bis zu 22 kW geladen werden. Aber auch über die normale Haushaltssteckdose kann der benötigte Strom entnommen werden. Die Ladezeit hängt dabei von der Batterieleistung und Ladetechnik ab. In der Regel sind Fahrzeuge nach ca. 4 bis 5 Stunden ausreichend am heimischen Netz geladen. Auch hier gibt es Fördermittel zum Einbau einer eigenen Wallbox.


3. e-Fahrzeuge bieten zu wenig Reichweite.

Im Schnitt kamen im Jahr 2020 in Deutschland angebotene e-Autos 352 Kilometer weit. Realistisch gesehen schaffen inzwischen die meisten Modelle zwischen 200 und 600 km Reichweite. Ein e-Moped schafft 50 bis 70 km. Wir benötigen pro Tag im Schnitt 50 km Reichweite. Also schaffen wir in der Regel unsere täglichen Anforderungen. Und sollten wir weitere Strecken fahren, dann ist sicher auch eine Pause sinnvoll, bei der Fahrer und Fahrzeug Power nachtanken können. Inzwischen gibt es zahlreiche Apps, die Routenplanungen für e-Fahrzeuge ermöglichen. Dabei werden dann entsprechend dem Fahrzeug passende Ladestationen auf der Route angezeigt. Die Hersteller arbeiten mit Hochdruck an dem Thema Reichweite und jetzt schon gibt es einige Neuvorstellungen von e-Fahrzeugen mit einer ausreichenden Reichweitenleistung.


4. Leise e-Fahrzeuge sind eine Gefahr für Fußgänger.

Anders als konventionelle Autos haben Stromer keinen Verbrennungsmotor und sind deshalb geräuscharm unterwegs. Wenig Lärm ist grundsätzlich aber ein Vorteil. Geräuschlos sind die Fahrzeuge allerdings nicht und deshalb handelt es sich bei der Aussage „e-Fahrzeuge sind eine Gefahr für Fußgänger.“ um eins der überholten Mythen der e-Mobilität. Bei höheren Geschwindigkeiten reichen bereits die Abrollgeräusche der Reifen um die Fahrzeuge wahrzunehmen. Unter 20 km/h greifen neuerdings andere Maßnahmen. Mit dem Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS) werden e-Autos wieder lauter. Aufgrund gesetzlicher Vorgaben müssen ab Juli 2021 alle neu zugelassenen Elektroautos künstliche Geräusche erzeugen, damit Fußgänger und Radfahrer besser geschützt sind. Bei der Entwicklung eines passenden Sounddesigns sind die Hersteller sehr kreativ. Zusammen mit der Band „Linkin Park“ erarbeitete AMG, die Performance-Abteilung von Mercedes, ein eigenes Soundkonzept für alle Fahrzeuge. Deshalb lohnt es sich mal genauer hinzuhören!


5. e-Fahrzeuge sind nicht umweltfreundlich und haben eine schlechte CO2-Bilanz.

Eines der meist diskutierten Mythen der e-Mobilität ist die angeblich schlechte CO2-Bilanz eines e-Fahrzeugs. Die Produktion der Batterie hat den größten Anteil an der CO2-Bilanz eines e-Fahrzeugs. Bei einer gängigen Batterie mit etwa 65 kWh Leistung kommt man so auf rund zehn Tonnen Treibhausgase pro Batterie. Inklusive der weiteren Emissionen für die Herstellung landet man bei 15 bis 17 Tonnen pro e-Auto. Benziner oder Diesel verursachen dagegen in der Produktion „nur“ 6 bis 7 Tonnen.

Ein weiterer Faktor für die CO2-Bilanz ist die Lebensdauer der Batterien. Zwar haben die momentan gängigen Lithium-Ionen- Batterien meist nach acht Jahren als Auto-Akku ausgedient, allerdings lassen sie sich dann nochmals für weitere zehn Jahre z. B. als industrieller Zwischenspeicher für Sonnen- bzw. Windkraftenergie oder auch als privater Stromspeicher nutzen. Mit diesem „Second Life“ verlängert sich die Lebensdauer also auf bis zu 18 Jahre, was natürlich auch die CO2-Bilanz positiv beeinflusst. Die CO2-Bilanz eines e-Autos mit den oben genannten Werten wird schon etwa ab 50.000 km Fahrleistung besser als die eines Benziners – der dafür notwendige Anteil von etwa 30 Prozent erneuerbaren Energien wird heute locker erreicht.

Eine im Juli 2021 erschienene Studie vom International Council on Clean Transportation (ICCT) analysiert die gesamte Lebensdauer einer Kompaktwagen-Klasse von der Produktion über den benötigten Ladestrom bis hin zur Entsorgung des Fahrzeugs. Das Ergebnis: Ein elektrischer Kompaktwagen erzeugt in Europa bereits heute 66 bis 69 Prozent weniger CO2-Emissionen als ein vergleichbares neues Benzinfahrzeug. Sollte sich aufgrund der immer strengeren EUVorgaben der Ausbau erneuerbarer Energien weiter beschleunigen, steigt der Emissionsvorteil bis 2030 sogar auf 77 Prozent.


6. Es gibt gar nicht genug Rohstoffe und der Abbau von Lithium und Kobalt belastet die Umwelt.

Deutschland deckt seinen Bedarf an Lithium bislang vollständig über Importe. Australien ist derzeit der wichtigste Lieferant. Dort sind die begehrten Rohstoffe Lithium und Kobalt in ausreichender Menge vorhanden. Lediglich die Fördermöglichkeiten müssen dem Bedarf angepasst werden. Es gibt zahlreiche Vorkommen.

Hierzulande steckt Lithium in einigen Regionen im sogenannten Thermalwasser in Tausenden Metern Tiefe. So könnte sich z. B. Bruchsal demnächst als neuer Produktionsstandort etablieren. Bei rund 8.000 Betriebsstunden jährlich lässt sich in der Geothermie Anlage in Bruchsal eine Lithiummenge fördern, die ausreichend ist für die Produktion von etwa 20.000 Akkus für Elektroautos. Weiterhin werden die Akkus weiter entwickelt. So soll zum Beispiel der Anteil an Kobalt in einer Auto-Batterie mittelfristig von rund zwölf auf sechs Prozent gesenkt werden. Dazu kommt die Zweitverwertung aus dem Recycling alter Batterien, die den Bedarf der zu importierenden Rohstoffe zusätzlich verringern wird.


7. e-Mobilität kostet Jobs.

Ein Elektroauto lässt sich mit etwa 30 Prozent weniger Aufwand herstellen als ein Verbrenner. Auf lange Sicht könnte es in der Automobilindustrie also weniger Arbeitsplätze geben. Umso wichtiger ist es, sich bei der Elektromobilität von Anfang an eine gute Marktposition zu erarbeiten. Denn je erfolgreicher ein Unternehmen das e-Auto vermarktet, desto sicherer sind seine Arbeitsplätze. Dazu kommen zahlreiche neue Themengebiete, z.B. der Ladeinfrastruktur. Gerade entstehen viele neue Aufgabenbereiche, die langfristig gute Mitarbeiter suchen.


8. Wasserstoff ist viel besser und wird sich durchsetzen.

Viele Kritiker der e-Mobilität hoffen auf eine bessere Technik des Wasserstoffs. Aber auch mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge haben ihre Defizite. Das größte Problem des Wasserstoffantriebs ist sein schlechter Gesamt-Wirkungsgrad. Brennstoffzellen erreichen heute einen Wirkungsgrad von bis zu 70 Prozent. Bei der Herstellung und Aufarbeitung des Wasserstoffs für die Brennstoffzelle gehen aber 70 Prozent der Energie verloren. Beim e-Auto sind es dagegen nicht einmal 30 Prozent. Oder anders ausgedrückt: Mit der gleichen Energie, mit der ein Wasserstoffauto 100 Kilometer fährt, kommt ein Batterie-elektrisches Auto fast 250 Kilometer weit. Dazu kommen die deutlich höheren Kosten, die der aufwendigen Herstellung geschuldet sind. So könnte es passieren, dass eine Tankfüllung ein Vielfaches dessen kostet, was heute an einer Tankstelle für Sprit bezahlt wird.

So wie es aktuell aussieht, wird sich das Elektroauto bei Pkw mit einer Reichweite bis etwa 500 Kilometer durchsetzen, die Brennstoffzelle dagegen vor allem in der Transport- und Logistikbranche, bei Lkw, Bussen und Schiffen.


9. e-Scooter verschmutzen die Umwelt.

Ob von Lime, Tier oder Bird: Deutsche Großstädte sind voll von e-Scootern, die kreuz und quer auf den Gehwegen parken. Die Lebensdauer der Fahrzeuge ist kurz und das Recycling der Batterien aufwendig. Das landen dann schonmal die ganzen Fahrzeuge im Rhein oder im Gebüsch. Inzwischen haben die großen Sharing- Anbieter auf ein Akku-Wechselsystem umgestellt. So müssen nicht mehr die ganzen Fahrzeuge mit Transporten in große Ladehallen gefahren werde. Die frischen Akkus kommen zu den Fahrzeugen und das am besten mit elektrisch betriebenen Lastenfahrrädern. Ein anderes Thema ist der Umgang mit den Fahrzeugen und hier liegt die Verantwortung eindeutig beim Menschen und nicht in der verwendeten Technologie. Hier ist ein Umdenken der Nutzer über Wertigkeit und Respekt von Nöten. Aber vielleicht würde schon eine einfache Maßnahme einen pfleglicheren Umgang mit den Fahrzeugen fördern: kauft euch euren eigenen e-Scooter, z.B. auf voylt!


10. e-Fahrzeuge bringen keinen Fahrspaß.

Die mit Abstand falscheste Behauptung aus der Reihe Mythen der e-Mobilität! Diese Aussage kann nur von Personen stammen, die noch kein Elektrofahrzeug gefahren sind. Elektrisch unterwegs zu sein macht Spaß! Vor allem beim Beschleunigen zeigt der e-Motor, dass er über viel Power verfügt. Von 0 auf Höchstgeschwindigkeit fühlt sich der Fahrer fast wie im Flugzeug. Denn: Elektromotoren verfügen vom Start an über das volle Drehmoment. Wer einmal das Gefühl live erlebte möchte es nicht mehr missen. Wann wirst du Teil der e-Community?

Falls du noch eine Entscheidungshilfe brauchst, hilft der unser e-Finder bei der Suche nach deinem passenden e-Fahrzeug.


Noch Fragen zum Thema e-Mobilität? Hol dir jetzt unser "Leitfaden für den optimalen Einstieg in die e-Mobilität"


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