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  • AutorenbildJohannes Haas

Micromobility Europe 2024, Amsterdam

Aktualisiert: 27. Juni


Titelbilt Micromobility Expo

Nach eigenen Angaben bezeichnet sich die Micromobility Europe als „weltgrößte Konferenz für kleine Fahrzeuge“, zusammen mit dem Schwester-Event Micromobility America im November. Somit ein Grund für uns, in diesem Jahr mal vorbeizuschauen.

 

Bereits auf dem Weg nach Amsterdam konnte ich erleben, dass Elektromobilität in den Niederlanden bereits viel etablierter ist als in Deutschland. An nahezu jeder Raststätte findet man (gut ausgeschilderte!) Ladestationen, sehr häufig betrieben von Fastned oder Mineralölfirmen wie BP. Diese sind jedoch nicht versteckt in dunklen Parkplatz-Ecken, sondern meist direkt neben den Raststätten, überdacht und mit Service-Angeboten wie Scheibenwasser. Zudem findet man oft gleich 8 Schnell-Ladesäulen (je 4 mit 150 bzw. 300 kW), die gut anzufahren sind. So wünscht man es sich!

 

gelb schwarze Ladestation für e-Autos mit geschwungenem Dach

Angekommen in Amsterdam und auf dem Weg zur Event-Location konnte man – neben den tausenden Fahrrädern und e-Bikes – auch viele andere LEV auf den Straßen sehen. Zudem hervorragend ausgebaute Fahrradwege bzw. Fahrspuren.

 



  

Da die Stadt Amsterdam Ende 2023 beschlossen hat, nahezu flächendeckend Tempo 30 einzuführen, fließt der Verkehr aller Fahrzeug-Kategorien entspannt nebeneinander. Als weitere Maßnahme ist bereits geplant, noch in diesem Jahr die Neuzulassung von Mopeds mit Verbrenner-Antrieb zu verbieten. In einer Übergangszeit bis 2028 dürfen Alt-Fahrzeuge noch genutzt werden.

 

Jetzt aber zur Micromobility Europe: Bereits vor der Eventhalle „De Kromhouthal“, einer alten Fabrik, findet man mehr LEV als Autos, zudem ein großzügiges Testgelände auf dem Parkplatz.

 

In der Halle selbst kann man dann an vielen Ständen neue und innovative Fahrzeuge oder Service-Anbieter rund um die Mikro-Mobilität in Anschein nehmen.


Die Aussteller

Lokalmatador Veloretti, 2012 in Amsterdam gegründet, hat die Vision saubere und zeitlose Fahrräder zu einem günstigen Preis zu entwickeln, z. B. das "Electric Ace Two" oder für Damen mit Tiefeinstieg das "Electric Ivy Two". Dies kann man für die Räder ohne Zusatzantrieb auf jeden Fall sagen, die Preise für die e-Bikes beginnen aber erst bei 2.999 €. Dafür bekommt man aber hochwertige Bikes aus europäischer Produktion mit einem cleanen Design. Auch die Testfahrt bestätigte den sehr guten Eindruck.

 

    



Gleich nebenan fand sich mit Voltaire ein erst 2018 gegründetes Start-up aus Frankreich, das inzwischen 3 verschiedene Modelle ab 2.290 € anbietet. In diesem Jahr wurde das e-Bike „Legendre“ mit dem Design & Innovation Award ausgezeichnet.


blaues e-Bike auf Messestand
"Legendre" von Voltaire


Am Gemeinschaftsstand von EIT Urban Mobility fand sich dann ein weiteres Highlight: Das e-Cafe Bike vom gleichnamigen Startup aus Prag. Bei Preisen über 4.000 € zwar kein Schnäppchen, aber ein echter Hingucker. 3 verschiedene Modelle, z.B. der Beach-Cruiser "Americano", können auf vielfältige Weise individuell konfiguriert werden. Zudem werden 2 Trailer angeboten, mit denen jedes Bike zu einer echten Transporter-Alternative wird.





Weitere Aussteller waren die bekannten Hersteller SEGWAY, OKAI und NAVEE, die primär ihre Fahrzeuge für den Sharing-Markt präsentierten.



Leider waren keine weitere LEV wie e-Mopeds, e-Motorräder oder e-MicroCars vertreten, wodurch zumindest die Ausstellung doch recht überschaubar war. Hier hatte ich durchaus eine größere Anzahl von Ausstellern erwartet.


MME – mehr Fachkonferenz als Publikumsmesse

Aber fairerweise bezeichnet sich die MME ja auch als Konferenz und nicht als Messe, sodass die überwiegende Besuchszeit während der 1,5 Tage für die vielen Panels und Vorträge reserviert war, die auf 2 Bühnen angeboten wurden und sich spannenden Themen widmeten.

 

So wurde intensiv über die weitere Entwicklung des e-Bike-Marktes diskutiert, der nach dem Boom während der Covid-Zeit und einer anschließenden Delle derzeit wieder im Aufwind ist. Moderiert von Micah Toll von Elektrek berichten unter anderem Vertreter von Cannondale und Riese&Müller über ihre Einschätzung. Einig war man sich, dass mit einem Anteil von inzwischen über 50 % am gesamten europäischen Markt die elektrischen Räder weiteres Potential haben. Insbesondere bei den e-CargoBikes wird noch ein starkes Wachstum in diesem Jahrzehnt erwartet. Vor einem Kauf sollte man sich gut informieren und am besten auch mal eine Probefahrt vereinbaren.

 



Aus dem gesamten Programm fand ich vor allem die Panels zum „Aftermarket“ und der Entwicklung in den Niederlanden interessant, ebenso die Keynote von Lucas di Grassi über sein Engagement im e-Motorsport der Formel E. Ziel der von ihm mitgegründeten „Federation for Micromobility and Sport“ ist es, über den Rennsport mit e-Scootern (Electric Scooter Cup) die technologische Entwicklung voranzutreiben und auch auf die Gefahren hinzuweisen (Stichwort Helmpflicht).

 



Mein Fazit zur Micromobility Europe 2024 in Amsterdam:

Haben sich die Reise nach Amsterdam und die 2 Tage gelohnt? Für mich ergibt sich ein gemischtes Bild: Einerseits brauchen wir solche Branchen-Events für eine konstruktive Diskussion aller Stakeholder der Mikromobilität. Anderseits würde ich mir eine größere Beteiligung seitens der Hersteller wie auch der Öffentlichkeit wünschen. Wie bei anderen Veranstaltungen auch, nicht zuletzt der IAA Mobility in München, ist es den Organisatoren noch nicht gelungen, ein klares Profil und eindeutige Positionierung zu finden. Eine interessante Konferenz, ein paar Fahrzeuge und ein abendliches Networking-Event waren für mich dennoch die Reise wert.


 

 


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