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Immer mehr Unfälle mit dem e-Scooter - woran liegt's?

Gefährliche e-Scooter Nutzung zu zweit

e-Scooter gehören mittlerweile zum Stadtbild wie Sharing-Autos und e-Bikes – schnell, praktisch, spontan verfügbar. Doch mit der wachsenden Beliebtheit steigt offenbar auch das Risiko: Das Statistische Bundesamt meldet für 2025 einen deutlichen Sprung bei den Unfallzahlen. Grund genug, einmal genau hinzuschauen, was gerade passiert – und was Experten zu den Schlagzeilen sagt.


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache


Laut Destatis registrierte die Polizei 2025 in Deutschland 16.496 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden – ein Plus von 38,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr (11.944 Unfälle). Dabei kamen 38 Menschen ums Leben, elf mehr als 2024. 1.895 Personen wurden schwer verletzt, 16.184 leicht. Auch der Anteil am gesamten Unfallgeschehen wächst: e-Scooter waren 2025 an 5,5 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden beteiligt, 2024 waren es noch 4,1 Prozent. Zum Vergleich: Bei Fahrrädern liegt dieser Anteil bei 32,6 Prozent – absolut also deutlich mehr Unfälle, aber e-Scooter holen prozentual auf. Auffällig auch: Der Anteil der Mitfahrenden auf einem Scooter (was laut Straßenverkehrsordnung verboten ist) stieg von 4,7 auf 5,5 Prozent der Verunglückten.



Besonders betroffen: Kinder und Jugendliche

Ein Blick auf die Altersstruktur zeigt, wer besonders gefährdet ist: 53,6 Prozent der 2025 verunglückten e-Scooter-Fahrenden waren jünger als 25 Jahre, 83,7 Prozent jünger als 45. Nur 3,1 Prozent waren 65 Jahre oder älter. Insgesamt verunglücken in Deutschland jährlich durchschnittlich über 2.500 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren bei e-Scooter-Unfällen – rund 500 bis 600 davon sind sogar jünger als 14, obwohl das gesetzliche Mindestalter genau das verbietet. Miet-Scooter dürfen in der Regel erst ab 18 Jahren genutzt werden, was in der Praxis aber nur selten kontrolliert wird. Etwa 31 Prozent dieser Unfälle gelten als klinisch schwer, 14 Prozent enden mit stationärer Behandlung. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie fordert deshalb unter anderem eine Helmpflicht und gezieltes Fahrtraining für junge Nutzerinnen und Nutzer.


Wo und warum es bei Unfällen mit e-Scootern kracht


Die häufigste Unfallursache bleibt die falsche Nutzung von Fahrbahn oder Gehweg (21,6 Prozent). Gehwege sind für e-Scooter tabu, erlaubt sind Radwege, Schutzstreifen oder notfalls die Fahrbahn. Auffällig hoch ist zudem der Alkoholanteil: Bei 10,9 Prozent der Unfälle wurde den Fahrenden Alkohol am Lenker zur Last gelegt, deutlich mehr als bei Radfahrenden (7,7 Prozent). Rund zwei Drittel der Unfälle passieren mit einem zweiten Verkehrsteilnehmer, meist einem Auto – hier verletzten sich 50,5 Prozent der Scooter-Fahrenden. Fast die Hälfte aller Unfälle (49,1 Prozent) ereignet sich in Großstädten ab 100.000 Einwohnern, wo die Scooter-Dichte am höchsten ist. Alle Regeln zur richtigen Nutzung von e-Scootern haben wir in einer Übersicht zusammengestellt.


Rechtlich ist die Situation klar: Ein Führerschein bleibt zwar weiterhin nicht nötig, ein Versicherungskennzeichen (ab März 2026 in Schwarz) und ein Mindestalter von 14 Jahren dagegen schon. Die überarbeitete Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung erlaubt e-Scootern künftig automatisch die Nutzung überall dort, wo auch Radverkehr freigegeben ist, ab 2027 werden Blinker für Neufahrzeuge Pflicht, und ein Referentenentwurf sieht eine verschärfte Gefährdungshaftung für Halterinnen und Halter vor.


Stimmen aus der Branche: "Wenn Zahlen fliegen lernen"

Kaum waren die Destatis-Zahlen veröffentlicht, meldeten sich auch kritische Stimmen aus der Mikromobilitäts-Branche auf LinkedIn zu Wort – mit einem Einwand, den wir bei voylt für absolut stimmig halten, denn Zahlen ohne Kontext erzählen selten die ganze Geschichte.


Florian Walberg, Gründer von Egret, bringt es in seinem Post "E-Scooter: Wenn Zahlen fliegen lernen" auf den Punkt: "Die Zahlen sind richtig. Die Geschichte, die daraus erzählt wird, ist unvollständig und total falsch!" Sein Argument: "Den e-Scooter" gebe es so gar nicht – private Fahrzeuge und Leih-Scooter unterscheiden sich im Nutzungsverhalten erheblich. Die Versicherungswirtschaft weise seit Jahren darauf hin, dass Sharing-Scooter gemessen an ihrem Bestand deutlich häufiger in Schäden verwickelt seien als private Geräte. Auch Destatis selbst nenne Alkohol, Fahrten zu zweit und Großstädte als auffällige Faktoren – Aspekte, die in vielen Schlagzeilen untergehen. Nach GfK-Daten sei der private e-Scooter-Markt im selben Zeitraum um mehr als 50 Prozent gewachsen, während die Unfallzahlen "nur" um 38 Prozent stiegen – für Walberg ein Indiz, dass die Unfallquote relativ zur Fahrzeugzahl womöglich sogar sinkt. Er kritisiert zudem, dass Redaktionen reißerische Schlagzeilen wie "e-Scooter werden immer gefährlicher" unreflektiert voneinander abschreiben.


Alexander Ammon, Country Manager DE/AT bei Segway-Ninebot, argumentiert ähnlich und liefert eigene Zahlen: Laut GDV (Gesamtverband der deutschen Versicherungs-wirtschaft) waren 2023 rund 990.000 e-Scooter versichert, davon 21 Prozent Sharing-Fahrzeuge – diese seien aber für 39 Prozent aller Unfälle verantwortlich gewesen. Der private e-Scooter-Bestand sei von 267.000 (2023) auf 501.000 (2025) gestiegen, ein Plus von 87 Prozent beziehungsweise rund 43,5 Prozent pro Jahr, während die Unfallzahlen im selben Zeitraum "nur" um rund 37,5 Prozent pro Jahr zulegten. Sein Fazit: "Es gibt mehr e-Scooter im Markt und die Unfallquote ist leicht rückläufig." Aktuelle GDV-Versicherungsdaten für 2025 stehen aber noch aus, eine finale Auswertung wird erst im Spätsommer erwartet.


Wichtig für die Einordnung: Das ändert nichts daran, dass 2025 absolut betrachtet mehr Menschen bei e-Scooter-Unfällen verletzt oder getötet wurden als im Jahr zuvor. Die Kritik zielt vor allem auf die mediale Verkürzung und darauf, dass die Unterscheidung zwischen Sharing- und Privatnutzung fehlt – ein Punkt, der aus unserer Sicht tatsächlich zu selten mitgedacht wird.



Unser Fazit


Ob man die nüchternen Destatis-Zahlen oder die Einordnung von Ammon und Walberg stärker gewichtet: Für uns bei voylt gehören beide Perspektiven zusammen. Klar ist, dass gerade jüngere Fahrerinnen und Fahrer ein erhöhtes Risiko tragen und Themen wie Helm, Fahrkönnen und die richtige Strecke keine Nebensache sind. Genauso klar ist, dass pauschale Panikmache niemandem hilft, wenn wichtige Unterschiede wie Sharing versus Privatnutzung unter den Tisch fallen. Wer sich vor dem Kauf informieren möchte, findet in unserem e-Wiki Hintergründe zu Normen und Sicherheitsausstattung, und über unsere Fahrzeugsuche sowie die Probefahrtvermittlung kannst du dir vor dem Kauf selbst ein Bild machen.


Bilder: WIX, FAZ







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