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MiD 2023: Deutschlands Mobilität verschiebt sich – Elektromobilität gewinnt an Bedeutung

  • Autorenbild: Johannes Haas
    Johannes Haas
  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
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Die vom BMV neu vorgestellte Studie Mobilität in Deutschland 2023/24 (MiD) zeigt deutlich: Das Mobilitätsverhalten der Menschen hat sich verändert. Weniger Autokilometer, mehr Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad, ein wachsender E-Auto-Bestand – und gleichzeitig der klare Wunsch nach besserer Infrastruktur. Für die Verkehrswende bedeutet das: Es bewegt sich etwas, aber es braucht mehr Tempo!


Mobilität nimmt ab – aber sinnvoller

Die Studie zeigt: 2023 sind weniger Menschen unterwegs als in früheren Jahren. Nur noch rund 82 % der Bevölkerung erledigen an einem durchschnittlichen Tag mindestens einen Weg – 2017 waren es noch 85 %. Die durchschnittliche Tagesstrecke fällt auf etwa 35 Kilometer. Hauptgrund: Homeoffice und veränderte Arbeitsmuster. Das Pendeln nimmt ab, während Wege zur Freizeit leicht zunehmen. Für die Verkehrswende ist das ein spannender Befund: Weniger Wege bedeuten weniger Emissionen – und Freizeitwege sind häufiger multimodal oder zu Fuß/mit dem Rad.


Fuß und Rad boomen – Nahmobilität wird zum Rückgrat

Ein besonders starker Trend: Mehr als ein Viertel aller täglichen Wege wird inzwischen zu Fuß zurückgelegt. Auch das Fahrrad legt deutlich zu, insbesondere dank des Booms bei Pedelecs und E-Bikes. Diese elektrisch unterstützte Form der Nahmobilität verlängert Reichweiten, verkürzt Wegezeiten und ersetzt zunehmend Autofahrten.

Für E-Bike- und Pedelec-Hersteller ist das Rückenwind: Der Bestand steigt stark, Deutschland ist heute ein ausgewiesener E-Bike-Markt. Gleichzeitig erkennt die MiD ein wachsendes Problem: Die Zufriedenheit mit der Rad- und Fußinfrastruktur sinkt. Mehr Menschen wollen nachhaltige Mobilität nutzen – aber die Infrastruktur bleibt hinter der Nachfrage zurück.


Das Auto bleibt wichtig – wird aber seltener genutzt

Deutschland bleibt ein Autoland: Rund 50 Millionen Pkw stehen in Haushalten, im Schnitt 1,2 Auto pro Haushalt. Dennoch: Die Nutzung nimmt ab. Der Anteil der Menschen, die überwiegend mit dem Auto unterwegs sind, sinkt auf 41 %. Auch die Fahrzeit pro Fahrzeug pro Tag ist auf rund 40 Minuten gefallen – ein langfristiger Rückgang.

Wichtig dabei: E-Autos werden immer normaler. Sie werden genutzt wie andere Pkw auch, ohne deutliche Unterschiede in den typischen Alltagsmustern. Inzwischen gilt dies erfreulicherweise auch für längere Strecken. Verkehrsminister Patrick Schnieder formulierte es bei der Vorstellung der Studie so: "Die Elektromobilität ist mitten im Alltag angekommen." Entscheidend hierbei sei auch der weitere Ausbau der Ladeinfrastruktur, vor allem im ländlichen Raum sowie private Installationen bei Mehrfamilienhäusern. Zudem kommen immer mehr e-Autos auch auf den Gebrauchtwagen-Markt, eine große Übersicht zeigen wir in unserer e-Suche.


Elektromobilität wächst – aber noch nicht schnell genug

Der Anteil voll elektrischer Pkw liegt laut MiD 2023 bei rund 5 % des Bestands – ein solider, aber bei weitem nicht ausreichender Wert, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Gleichzeitig zeigt die Studie: Dort, wo E-Autos verfügbar sind, werden sie genauso selbstverständlich genutzt wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das spricht für einen stabilen Trend hin zur Elektrifizierung. Besonders interessant: Viele große Flotten werden zunehmend elektrifiziert und der Anteil der BEV bei Dienstwagen beträgt bereits rd. 15% (inkl. Hybrid sogar 31%), während er im privaten Nutzungsbereich nur bei knapp 4% liegt. Mit der zunehmende Zahl an Klein- und Mittelklasse-Autos sollte sich dies in nächster Zeit sicher ändern, auch falls das angedachte "Social Leasing" kommen sollte.


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Deutschlandticket stabilisiert den ÖPNV,

Die Daten zeigenauch, dass der öffentliche Verkehr durch das Deutschlandticket neuen Schwung bekommen hat. Zwar liegt der Anteil am Modal Split weiterhin bei etwa 11 %, aber die Nutzung bleibt stabil – ein Erfolg angesichts der pandemiebedingt schwierigen Jahre. Kombiniert mit dem E-Bike-Boom eröffnet das neue Chancen für echte Multimodalität. Bisher kaum Beachtung findet die E-Mobilität (noch) im Bereich der e-Motorräder, wenngleich neben engagierten Startups auch größere Hersteller neue Modelle vorgestellt haben.


Fazit: Die Verkehrswende findet statt – aber Infrastruktur entscheidet

Die Studie zeichnet ein klares Bild: Deutschland bewegt sich umweltfreundlicher, kürzer und digitaler. Nahmobilität nimmt zu, Elektromobilität wird Alltag, und das Auto verliert schrittweise an Dominanz. Doch der Wandel passiert nicht automatisch – er braucht politische und infrastrukturelle Unterstützung.

Für die Elektromobilität bedeutet das:

  • E-Autos sind akzeptiert, aber ihr Anteil muss weiter steigen.

  • Ladeinfrastruktur, insbesondere im öffentlichen Raum, bleibt entscheidend.

  • E-Bikes und Pedelecs entwickeln sich zur echten Alternative für viele Alltagswege.


Für Deutschland insgesamt heißt es: Die Menschen sind bereit für eine neue und nachhaltige Mobilität. Jetzt müssen Städte, Gemeinden und der Bund nachziehen – mit sicheren Radwegen, verlässlichem ÖPNV und einer Infrastruktur, die moderne Mobilität ermöglicht.


 
 
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