Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus - von der Politik vergessen?
- Johannes Haas
- vor 2 Tagen
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Ohne Ladepunkte dort, wo Menschen wohnen, bleibt Elektromobilität ein Nischenprojekt
Der Bundesverband Neue Mobilität e. V. (BNM) warnt, dass unzureichende Rahmenbedingungen im Gebäudebestand den Markthochlauf ausbremsen. Besonders in Mehrfamilienhäusern ist der Zugang zu privater Ladeinfrastruktur für einen großen Teil der Bevölkerung weiterhin strukturell eingeschränkt. Ohne verbindliche nationale Vorgaben und wirksame Förderinstrumente droht eine dauerhafte soziale Schieflage bei der Nutzung von Elektrofahrzeugen. Aktuelle Analysen zeigen: Die meisten Ladevorgänge finden zu Hause oder am Wohnort statt — gleichzeitig lebt mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland in Mehrfamilienhäusern. Der bisherige Fokus auf Neubauten und Einfamilienhäuser greift daher zu kurz und lässt den Bestand weitgehend außen vor.
Politische Rahmenbedingungen als Schlüssel
Nach Einschätzung des BNM reicht die derzeit diskutierte nationale Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) nicht aus, um die bestehenden Defizite zu beheben. Ohne zusätzliche Anforderungen und Fördermaßnahmen bleiben Millionen Stellplätze technisch unvorbereitet — und Elektromobilität faktisch auf bestimmte Einkommens- und Eigentümergruppen beschränkt.
Der Verband spricht sich daher für einen klaren ordnungspolitischen Rahmen aus. Als besonders wirksam gelten zinsvergünstigte Kredite in Kombination mit Tilgungszuschüssen, da sie Investitionen auslösen, ohne langfristig hohe Haushaltsbelastungen zu verursachen. Entscheidend ist eine Ausgestaltung, die Wohnungseigentümergemeinschaften und den Mietwohnungsbau ausdrücklich einbezieht.
Bedeutung für Energie- und Klimasystem
Ladeinfrastruktur im Mehrfamilienhaus ist nicht nur eine Frage der Mobilität, sondern auch der Energiepolitik. Systemdienlich geplante Ladepunkte in Bestandsgebäuden können zur Netzstabilität beitragen und erneuerbare Energien besser integrieren. Elektromobilität, Gebäude und Stromsystem müssen daher gemeinsam gedacht werden.
Der BNM fordert die Bundesregierung auf, Ladeinfrastruktur im Bestand als strategisches Infrastrukturthema zu behandeln. Ohne entschlossenen politischen Rahmen könne Elektromobilität ihr Potenzial weder klimapolitisch noch sozial entfalten. „Jetzt ist der Zeitpunkt, die strukturellen Hürden im Bestand konsequent abzubauen“, betont Fachvorstand Mazlum Yaylaci.
Über den Bundesverband Neue Mobilität e. V. (BNM): Der BNM vernetzt Unternehmen, Kommunen, Wissenschaft und Praxis entlang der gesamten Wertschöpfungskette neuer Mobilität und treibt Lösungen für eine klimafreundliche, sichere und wirtschaftlich tragfähige Mobilität voran.



