Black Tea Bonfire – dieses E-Motorrad muss man erlebt haben!

Autor: Silvia Josten

Black Tea Bonfire ist ein neues E-Motorrad im Retro-Look eines Münchner Start-ups. Das Unternehmen tourte durch Deutschland und präsentierte die Vorserie. Auch wir haben die Chance einer Probefahrt genutzt.

Auf den ersten Blick sieht man diesem schicken Bike im Retrodesign der 70er Jahre gar nicht an, dass es sich um ein E-Motorrad handelt. Immerhin sieht der Aufbau wie bei einem Verbrenner-Motorrad aus. Sogar ein Tankgehäuse gibt es. Dieser nimmt jedoch kein Benzin auf, sondern beinhaltet feinste E-Technik. Gegen Aufpreis wird hier zukünftig sogar noch ein Handschuhfach verbaut – wie praktisch! 

Eine Gruppe von 3 Studenten um Viktor Sommer entwickelten die Idee, dass es bei den elektromotorisierten Zweirädern nicht immer nur E-Roller geben sollte. Gerade das coole Aussehen eines Motorrads ohne viel Schnickschnack, reduziert auf das wesentliche und das zu einem akzeptablen Preis, war das Ziel dieser Entwicklung. Gesagt – getan! 2020 wurde das Münchner Start-up Black Tea Motorbikes gegründet und Ende 2021 rollen schon die ersten Fahrzeuge der Black Tea Bonfire mit Straßenzulassung im Verkehr. Dank einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne wurde in kurzer Zeit ausreichend Kapital eingesammelt. Das ist eine enorme Leistung – Respekt! Möglich ist das durch ein reduziertes aber hochwertiges Design mit viel Stahl und bereits bewährten Komponenten wie man sie in anderen Fahrzeugen findet. Black Tea importiert diese aus Asien und montiert die Fahrzeuge in München am eigenen Standort von Hand. So stellen die Gründer sicher, dass jedes Fahrzeug ihren Qualitätsstandards entspricht.

Bewährte Technik in neuem Retro-Design

Der Fahrer blickt auf ein übersichtliches Display mit allen relevanten Fahrzeuginformationen. Die Ähnlichkeit mit dem Tachometer von eROCKIT ist kaum zu verbergen. In den 11 kg schweren Akkus sind Panasonic-Zellen verbaut und werden in China hergestellt. Ideal ist die Position der Rückspiegel. Die Sicht nach hinten ist komfortabel. Die Blink- und Rücklichter sind einheitlich gehalten. Der LED Scheinwerfer ist hell und auffällig. Die 18-Zoll Räder sind mit Heidenau-Reifen bestückt. Hier kann man zwischen einer Straßenvariante oder einer Offroad-Version wählen. Vorne und hinten sind 220 mm hydraulische Scheibenbremsen verbaut. Das Fahrwerk ist bequem abgefedert. Vorne ist eine 200 mm Teleskopgaben verbaut, hinten 335 mm einstellbare Stoßdämpfer. Alle Komponenten entsprechen den europäischen und amerikanischen Normen, sodass es für die Black Tea Bonfire auch eine Zulassung für den US-Markt gibt. 

Leistungsstarker Akku

Die Steuerung findet man unter dem Sitz für 2 Personen, der leider nicht aufgeklappt werden kann um dort z. B. die Fahrzeugpapiere oder ähnliches zu verstauen. Dafür hat man aber im Akkufach etwas Platz. Hier ist Raum für 2 Akkus mit jeweils 1,8 kW Kapazität, die bei der schnelleren Bonfire X in Reihe geschaltet werden. Die Ladezeit beträgt 3 bis 4 Stunden bis zur Vollladung. Entweder lädt man den Akku im Fahrzeug, indem man das Ladegerät mit dem Akkustecker verbindet, oder der entnehmbare Akku wird in der Wohnung an der Haushaltssteckdose geladen. Die 45 km/h schnelle Black Tea Bonfire hat eine Dauerleistung von 3 kW und sogar 5,4 kW Spitze. Bei der 95 km/h schnellen Bonfire X mit 2 Akkus erreicht man sogar 11 kW. Das Drehmoment ist mit 195 Nm angegeben. Damit kommt man ganz schön in Fahrt! Die 97 kg Leergewicht merkt man dem spritzigen E-Motorrad nicht an.

Die Reichweite ist komfortabel.

Die Black Tea Bonfire, sowie auch die größere Schwester Bonfire X, bieten 3 Modi an: Eco, Normal und Sport. Der Ecomodus limitiert die Höchstgeschwindigkeit bei ca. 36 km/h. Im Normal und Sportmodus erreicht die Maschine volle Leistung. Während unserer Probefahrt konnten wir bei den letzteren zwei Modi kaum Unterschiede bemerken, da bei 45 km/h eh abgeriegelt wird. An dieser Stelle nochmal der Appell an die politischen Entscheider diese absolut unverständliche Höchstgeschwindigkeitsbegrenzung endlich anzupassen. 

Aber wie weit kommt man jetzt mit einer Akkuladung? Die Gründer haben im Sportmodus unter realen Bedingungen getestet und versprechen eine Reichweite mit einem Akku bis zu 55 km (nach WMTC), im Normal-Modus bis zu 65 km und der Eco-Modus verspricht sogar bis zu 75 km. Das ist ordentlich! Optional gibt es einen zweiten Akku, dadurch verdoppelt sich die Reichweite. 

CEO Viktor Sommer präsentiert die Black Tea Bonfire.

Fazit unserer Testfahrt

Wir sind begeistert! Das Fahrverhalten ist spritzig und sportlich, da eigentlich sowieso nur im dritten Fahrmodus Sport gefahren wird. Kopfsteinpflaster wird komfortabel weggefedert. Die Geschwindigkeitsregelung und Bremsverhalten sind top. Lediglich eine Erweiterung um ein CBS-System wäre wünschenswert, aber das kommt bei der Bonfire X ja vielleicht zum Einsatz. Der Service ist deutschlandweit durch jeden Händler möglich. Zusätzlich gibt es auf der Website von Black Tea leicht verständliche Video-Tutorials, die alle relevanten Themen wie Reifenwechsel, Wechseln der Bremsbeläge oder die Entlüftung der Bremsen behandeln. Toller Service! 

Die Verarbeitung ist solide und hochwertig. Lediglich an ein paar wenigen Stellen erkennt man, dass es sich um eine Vorserie handelt. Das Akkufach scheint etwas kantig zu sein, die Verkabelung ist recht offen und aktuell gibt es keine Staufachmöglichkeit, aber das soll sich in naher Zukunft noch ändern. Bei einer Vorserie sollte man nicht zu kritisch sein.

Absolutes Highlight ist neben dem sehr ansprechenden Design der Preis. Die Black Tea Bonfire mit 45 km/h kostet 3.890,00 Euro. Fahrerlaubnis AM oder B ist ausreichend. Man kann Tank- und Sitzbankfarbe aus 2 Variationen wählen: Tank in Schwarz oder Silber, Sitzfarbe in Schwarz oder Braun. Dazu Street- oder Off-Road Bereifung. Mehr braucht es auch nicht.

Die Bonfire X mit 95 km/h kannst du für 5.390,00 Euro gegen Anzahlung vorbestellen. Der Prozess der Homologation wird voraussichtlich im Januar 2022 abgeschlossen. Danach geht die Bonfire X in Serie und die ersten Auslieferungen erfolgen 2022. Fahrer benötigen den Führerschein A1 oder B 196 (Österreich 111).

Bleibt nur die Frage: wo kann ich bestellen? Wir sind zuversichtlich, dass wir dieses schicke E-Motorrad bald in beiden Geschwindigkeitsvarianten auf voylt anbieten können.